Drei Fragen zum Fasten

Tue, 11 Mar 2025 13:41:32 +0000 von Eckhard Kummer

Drei Fragen zum Thema Fasten und Wellness... ...an Professor Wolfgang Reinbold. In der Fastenzeit steht für viele Menschen statt der Suche nach Gott vor allem der Verzicht auf ungesunde Lebensgewohnheiten im Vordergrund. Reinbold, der an der Universität Göttingen Neues Testament lehrt, sieht zwischen beidem keinen Widerspruch. Wellness und Seelenheil passen nach seiner Ansicht bestens zusammen.
 
Herr Reinbold, die meisten Menschen bringen das Thema Fasten vor allem mit Nahrungs- oder Alkoholverzicht und körperlicher Ertüchtigung in Verbindung. Dabei handelt es sich ursprünglich vor allem um einen inneren Prozess, der in der christlichen Tradition auch als „Einkehr“ bezeichnet wird. Worum geht es dabei genau?
Wolfgang Reinbold:
 Diese Verbindung kommt vor allem aus der Mystik, deren Ziel es ist, dass die Seele eins mit Gott beziehungsweise mit Christus wird. Das geschieht durch verschiedene Formen und Techniken der Besinnung, der Versenkung oder eben der Einkehr. In der Bibel gibt es diesen Zusammenhang übrigens noch nicht. Sie kennt weder das Wort „Einkehr“ noch die damit gemeinte Sache. Vielmehr heißt es im Evangelium an der wichtigsten Stelle sehr nüchtern: „Wenn du fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, damit du dich nicht vor den Leuten zeigst mit deinem Fasten, sondern vor deinem Vater, der im Verborgenen ist. Und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“
 
Und was genau bedeutet das, wenn Sie es etwas einfacher formulieren würden? Reinbold: Wer fastet, sollte keine Show draus machen. Man tut es für Gott – und nicht, um seine Nächsten damit zu beeindrucken. Diese klare Ausrichtung auf den inneren Sinn des Fastens und gegen die Selbstdarstellung ist insbesondere für die evangelischen Kirchen grundlegend geworden. Sie hat dazu geführt, dass es heute viele Möglichkeiten und Angebote zur inneren Einkehr gibt. Am bekanntesten ist wohl die Fastenaktion der Evangelischen Kirche in Deutschland „7 Wochen Ohne“, die in diesem Jahr – in einer extrem angespannten und ereignisreichen Zeit – unter dem Motto „Luft holen – Sieben Wochen ohne Panik“ zum Durchatmen einlädt. Und dazu, trotz der vielen „Bad News“ Erdung und Zuversicht zu bewahren.

Können Menschen, die nicht religiös sind, ebenfalls von einer Zeit der Einkehr profitieren?
Reinbold: Auf jeden Fall. Tatsächlich sind die Angebote oft so ausgerichtet, dass es gar nicht so einfach ist, zu unterscheiden, was im strengen Sinn „religiös“ ist und was nicht. Nehmen Sie beispielsweise ein Angebot wie „Fasten und Einkehr“, das von einem christlichen Kloster angeboten, von einer Ayurveda-Therapeutin und einer Meditationslehrerin geleitet und mit dem Motto „Fasten zur Stärkung Ihrer Selbstheilungskräfte“ beworben wird. Da könnten wir lang diskutieren, wo das Religiöse aufhört und das Säkulare beginnt. Die körperlichen, seelischen und geistlichen Aspekte des Fastens lassen sich eben nicht so streng voneinander abgrenzen. Fasten gab und gibt es in fast allen Kulturen und Religionen. Es hat einen inneren, tieferen Sinn, der vielen Menschen guttut – unabhängig davon, wie und wo sie sich selbst verorten.
(Quelle: Newsletter der Landeskirche Hannovers v. 11.03.25)
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